Gärten müssen wieder für Insekten geöffnet werden

BNN 23.03.2019

Landwirtschaftsminister Peter Hauk kritisiert bei einem Besuch in Gaggenau den Rückgang der Kulturlandschaft

Von BNN Mitarbeiter Joachim Kocher

Gaggenau. Auf Einladung der Landtagsabgeordneten Sylvia Felder und der CDU Gaggenau, war am Donnerstagabend der Minister für Ländlichen Raum und für Verbraucherschutz, Peter Hauk zu Gast in Gaggenau und referierte hierbei unter anderem über die Erhaltung unserer artenreichen Natur- und Kulturlandschaft. Die Veranstaltung war nach Aussage der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Sabine Arnold, gleichzeitig Auftaktveranstaltung der Gaggenauer CDU zum anstehenden Kommunalwahlkampf, weshalb auch zahlreichen Kandidaten die Veranstaltung verfolgten.

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ZU GAST IN GAGGENAU war am Donnerstag der Minister für Ländlichen Raum und für Verbraucherschutz, Peter Hauk. Foto: Kocher

Auch das Murgtal braucht Bewirtschaftung

Minister Hauk sprach einleitend von elf Prozent an versiegelten Flächen in Baden-Württemberg. „Nicht alles sei zubetoniert.“ Die Freifläche seien groß, meinte Hauk. Wenn wir über Biodiversität sprechen, so der Landespolitiker, dann sprechen wir über Kulturlandschaften, die Bewirtschaftung brauchen und hierzu gehört auch das Murgtal. Bei Kulturlandschaften habe man die höchste Artenvielfalt bei Pflanzen, Insekten und Vögel. Ich bin ein Verfechter der Kulturlandschaft, betonte Hauk.

Der Politiker machte auch deutlich, dass sein Ministerium viel Geld für die Pflege unrentablen Flächen ausgebe, um diese offen zu halten. Ohne Bewirtschaftung gibt es keine Artenvielfalt. Peter Hauk sprach von insgesamt 50 Millionen Euro im Jahr. „Damit sichern wir die Artenvielfalt.“ Der Landwirtschaftsminister ging auch auf den Wolf und das Reißen von Schafen ein. Das Problem seien hierbei die Menschen, die dahinterstehen, sagte Hauk. „Fleischfressende Tiere, die Schafe fressen, so Hauk, haben in unserer Kulturlandschaft nichts zu suchen. Wo eine Rudelbildung erfolgt, müssen wir Konsequenzen ziehen.“

Der Minister für Ländlichen Raum und für Verbraucherschutz gab den Anwesenden zu verstehen, dass bei der Erhaltung der artenreichen Naturlandschaft auch die Bauern mitmachen und Blütenmischungen entlang ihrer Äcker ausbringen. Mit ins Boot habe man ferner die sieben Naturparks im Land genommen, in den dazugehörigen Gemeinden würden Blütenmischungen zur Verfügung gestellt. Wichtig sei es auch Partner, wie Kindergärten und Schulen zu gewinnen. Für die Biodiversität, so Peter Hauk, könne jeder Bürger etwas tun. Der Landespolitiker kritisierte auch, dass immer mehr Hausgärten zu Schotter und Steingärten würden. „Da blüht nichts mehr.“ Man kann nur an die Bürger appellieren, dass sie ihre Gärten wieder für Insekten und Vögel aufmachen.

Der Minister ging in einigen Sätzen auch auf den Klimawandel ein, wodurch es nach seinen Aussagen zu Veränderungen bei der Tier- und Insektenvielfalt komme. Mit dem Biodiversitätsprogramm des Landes Baden-Württemberg unterstütze man unter anderem die rund 300 Auerhühner im Land durch den Bau zusätzlicher Biotope.

Hauk betonte auch, dass man darauf achten muss, dass beim Mais Elemente drin sind, die biodivers sind. Hauk sprach auch den Einsatz von Glyphosat an. Hauptabnehmer seien nicht die Landwirte, sondern die Deutsche Bahn. An zweiter Stelle folgten die privaten Verbraucher und die Kommunen und erst an dritter Stelle die Landwirte.

Bei der anschließenden Diskussion bemängelte Rudolf Krumrey, Grünen-Stadtrat aus Gaggenau, dass bereits vor der Blüte überall gemäht werde. Josepha Hofmann, Weidetierhalterin aus Sulzbach bemängelte unter anderem die mangelnde Unterstützung der Stadt Gaggenau. „Ich bin unzufrieden.“ Während der Diskussion betonte Minister Hauk, dass die Offenhaltung von Flächen eine gesellschaftspolitische Aufgabe sei.

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