Verzögerungen verteuern das Projekt

BNN 11.05.2019

CDU Gaggenau und MdL Thomas Hentschel nehmen zu der Entwicklung um eWayBW Stellung

Gaggenau/Murgtal (BNN). Nachdem sich im Vergabeverfahren für die Teststrecke eWayBW im Murgtal kein Unternehmen für den Bau finden lässt, schließt sich die CDU Gaggenau dem Appell der Gernsbacher CDU an. „Wir fordern ebenfalls, endlich den Stecker aus dem umstrittenen Test-Projekt zu ziehen. Das ist doch die Gelegenheit“, so Sabine Arnold, die CDU-Stadtverbandsvorsitzende.

„Das Verhandlungsverfahren und die damit verbundene Einzelvergabe der verschiedenen Positionen werden das ganze Projekt nicht nur verzögern, sondern auch um einiges teurer machen, da habe ich meine Erfahrungen“, warnt Kreisrätin Brigitte Schäuble.

Gerade vor dem Hintergrund der neuesten Steuerschätzung wonach Bund, Länder und Gemeinden künftig weniger Einnahmen zur Verfügung haben werden, sei es einigermaßen fahrlässig ein solches Projekt dennoch aufs Gleis zu setzen. Ein Projekt, dessen Erfolg und Notwendigkeit mehr als zweifelhaft sei und bei dem der wichtigste Arbeitgeber im Murgtal bereits signalisiert habe, dass er nicht dahinter stehe. „Da lohnt es doch nicht, so eine Menge Geld auszugeben“. Es gibt wesentlich sinnhaftere Dinge, man denke nur an die Digitalisierung der Schulen oder die Kleinkindbetreuung, „da könnte man die geplanten 20 Millionen locker unterbringen“, meint Sabine Arnold.

Momentan entstehen bundesweit bereits zwei weitere Teststrecken. „Lassen Sie uns doch einfach die dortigen Erfahrungen abwarten, bevor wir unser schönes Murgtal verschandeln“, appelliert die CDU an den Grünen Verkehrsminister.

Im übrigen würde man es sehr begrüßen, wenn Winfried Hermann seine Energie und die Schaffenskraft seines Ministeriums in den Ausbau des Knotens Rastatt Nord an der A5 und die B3-Umfahrung von Kuppenheim einsetzen würde.

Mehr Unterstützung für eWayBW wünscht sich MdL Thomas Hentschel (Bündnis 90/Grüne). „Zu einer klimafreundlichen Mobilität gehört es, dass neue Techniken in der Elektromobilität, wie zum Beispiel die des Oberleitungs-Lkw, eine Chance bekommen“, betont Thomas Hentschel, Sprecher für Elektromobilität der Grünen Fraktion. „Das eWayBW-Projekt ist ein wichtiger Beitrag hierzu und ich bin gerade wegen der schwierigen Geländegestalt auf der B462 in unserer Region froh, dass diese Technik hier getestet werden kann,“ so Hentschel.

Zur erneuten Kritik aus den Reihen der CDU in Gernsbach sagt Hentschel: „Die CDU täte gut daran, ihren Widerstand gegen das eWayBW-Projekt und gegen die eigene Landesregierung endlich aufzugeben. Dass sich der Bau der Oberleitungen verzögert, ist bedauerlich.

Wichtig ist aber, dass die Baumaßnahmen zur Entlastung der Anwohner außerhalb der Schulzeiten ausgeführt werden, auch wenn sich er Beginn des Testbetriebes dadurch verzögert.“

Darauf werde er drängen, denn das Verkehrsministerium habe dies auch so zugesichert. „Das Projekt kommt, wenn auch später als vorgesehen. Es ist ein wichtiger Bestandteil der Forschung und hat die Aussicht, Grundlage für ein völlig neues Antriebskonzept jenseits von Batteriebetrieb und Verbrennungsantrieb im Straßengüterverkehr zu werden.“ Nachdem in Hessen der eHighway auf der A5 den Betrieb aufgenommen habe, dürfe das Innovationsland Baden-Württemberg hier nicht hinterherhinken.

Mehr als 100 Jahre Oberleitungs-Busverkehr in vielen Städten zeigten, dass diese Antriebstechnik zuverlässig sei. Und im Schienenverkehr gelte der elektrische Oberleitungsantrieb auch heute noch als der Fortschritt schlecht hin.

„Dass gerade die CDU in Gernsbach einen Verzicht auf eine Technik fordert, die den weitgehend lautlosen Güterverkehr in Obertsrot und auf der B462 ermöglicht, ist dabei besonders befremdlich. Anscheinend geht es Dirk Preis vor allem darum, alles zu verhindern, was dem Bau von Dieselfahrzeugen gefährlich werden könnte. Dieses Feld aber anderen Nationen zu überlassen, ist gerade in Zeiten des Klimawandels nicht nur fragwürdig, sondern auch existenzgefährdend“, fügt Hentschel an.

Zugleich werde durch einen Verzicht auf Entwicklungen in dieser Technik auch die künftige Abhängigkeit von den Rohstoffen für die Produktion von Batterien noch verstärkt. n Stadtgespräch

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