Oberleitungs-Lkw: Erste Tests ernüchternd

BT 05.07.2019

Rund zehn Prozent Kraftstoffeinsparung im Realbetrieb

BT05072019Um die Oberleitung zu nutzen, braucht es Lkw wie diesen Scania, der via Stromabnehmer am Fahrdraht hängt oder mit Batterie fahren kann. Foto: Scania/av

Murgtal (stj) - Ende 2020 sollen auf der B 462 die ersten Oberleitungs-Lastwagen fahren. Während das Projekt eWayBW im Murgtal erst noch Fahrt aufnimmt, hat auf der Autobahn A5 zwischen Frankfurt und Darmstadt die erste Spedition mit speziell ausgerüsteten Hybrid-Scanias den Regelbetrieb aufgenommen. Die ersten Ergebnisse seien aber ernüchternd, schreibt das Internetportal Auto Scout 24.

Seit Anfang Mai steht im Rahmen eines Pilotprojekts auf einem fünf Kilometer langen Teilstück der Autobahn A5 zwischen Frankfurt und Darmstadt Strom aus Oberleitungen zur Verfügung. Um diese Oberleitungen zu nutzen, braucht es allerdings Lkw wie den Scania R450 Hybrid, der dank eines Stromabnehmers am Fahrdraht hängt oder über die Batterie elektrisch fahren kann.

"Doch bislang wird er vornehmlich von einem klassischen Diesel angetrieben", erklärt Auto Scout 24. Ohne Oberleitung könne der R 450 Hybrid nur kurze Strecken elektrisch fahren, da er lediglich über einen 18,5 kWh großen Batteriepuffer mit einer nutzbaren Energie von 7,4 kWh verfüge. Laut Scania erlaube dieser Speicher eine batterieelektrische Reichweite von bis zu 15 Kilometern. Für den elektrischen Vortrieb ist ein 130 kW/177 PS und 1050 Newtonmeter starker E-Motor verantwortlich. Der soll vor allem mit dem Strom aus Oberleitungen den Lkw antreiben. Zunächst wird der Scania mit Hilfe des 450 PS starken 13-Liter-Verbrennungsmotors zur Autobahn fahren. Sobald er dort eine Spur mit einer elektrischen Fahrleitung findet, wird auf E-Antrieb umgeschaltet, erklärt Auto Scout 24 die Technik.

Praktische Erfahrungen damit hat seit einigen Wochen die Spedition Schanz aus Ober-Ramstadt gesammelt. Auf dem Weg vom Firmensitz nach Frankfurt-Ost passiert der Teilzeitstromer von Scania den fünf Kilometer langen Oberleitungsabschnitt der A5. Nach rund 1000 Kilometern im Realbetrieb konnte der Lkw bislang dank dieser Oberleitungsstrecke gut zehn Prozent an Kraftstoffeinsparungen realisieren, heißt es im Bericht von Auto Scout 24: "Eine vergleichsweise geringe Einsparung in Anbetracht der enormen Umbauarbeiten an der Autobahntrasse und der bisher investierten Millionen. Dennoch sieht die VW-Tochter Scania weiteres Einsparpotenzial, vor allem im Fernverkehr. Voraussetzung hierfür wären allerdings der massive Oberleitungsausbau in Deutschland und - damit der Erfolg nicht nur regional begrenzt bleibt - der gesamten EU."

Der Autor des Beitrags verweist zudem auf Folgendes: "Um rund 70 Prozent des derzeitigen Lkw-Güterverkehrs auf unseren Straßen maßgeblich elektrisch zu bewegen, müssten in Deutschland auf circa 4000 Autobahnkilometern solche Oberleitungs-Teilstücke errichtet werden. 15 Kilometer am Fahrdraht sollen reichen, damit die Gütertransporte anschließend 50 weitere Kilometer batterieelektrisch zurücklegen können."

Ob es allerdings überhaupt so weit kommt, stehe in den Sternen. Bis 2022 seien nur zwei weitere Teststrecken auf der A1 in Schleswig-Holstein und auf der B462 von Kuppenheim nach Obertsrot geplant. Auch im europäischen Ausland belasse man es derzeit bei einzelnen Probeabschnitten zu Testzwecken. Ohnehin sehen viele Verkehrsexperten im In- und Ausland die Zukunft vermehrt auf der Schiene - "hier gibt es meist auch schon eine durchgehende Oberleitung", heißt es in dem Artikel von Auto Scout 24 abschließend.

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