Beide Hallen voll belegt

BT 22.11.2018

Das Logistikzentrum von Hillwood ist komplett vermietet/Große Sorgen wegen der Verkehrsproblematik

Von Thomas Senger

Gaggenau - "Ja, unser Projekt ist vollständig vermietet", bestätigt Peter Schuijlenburg. Er ist Managing Director Western Europe beim US-Investor Hillwood. In den Hallen auf dem ehemaligen KWH-Gelände in Ottenau ist somit kein Platz mehr frei. Nach BT-Informationen handelt es sich ausschließlich um die großen Logistik-Unternehmen Duvenbeck und Seifert. Kleinere Unternehmen, insbesondere Gewerbetreibende aus der Region, sind demzufolge nicht unter den Mietern.

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Nähere Auskünfte über die Mieter in den Hillwood-Hallen will Peter Schuijlenburg nicht geben -"aus Gründen der Vertraulichkeit", wie er betont. Gleichwohl: "Erweiterungspläne haben wir nicht", versichert er. In Gaggenau geht man auch ohne diese davon aus, dass schon ab 2019 die angekündigte maximale Frequenz von 500 Lkw-Fahrten von und zu Hillwood zu verzeichnen sein wird.

Darüber staunten am Montag auch Besucher aus Haßloch in der Pfalz nicht schlecht. Mitglieder des dortigen CDU-Stadtverbands ließen sich von ihren Gaggenauer Kollegen Sabine Arnold (Stadtverbandsvorsitzende) und Andreas Paul (Fraktionschef) die Situation vor Ort erläutern. Denn in Haßloch hat Hillwood ein 56500-Quadratmeter großes Grundstück gekauft und plant dort ebenfalls ein Logistikzentrum: eine 241 Meter lange, 115 Meter breite und 15 Meter hohe Halle. Pro Tag sollen 320 Lkw an- und abfahren, dazu kommen die An- und Abfahrten der etwa 250 Mitarbeiter.

Jürgen Scheweiler-Würzburger, CDU-Fraktionschef in Haßloch, meinte zum Gaggenauer Projekt: "Gewaltig." Immerhin sei die Verkehrsanbindung dank der nahen B462 wesentlich besser als in seiner Heimatstadt. Denn dort führe die Zufahrt zum künftigen Logistikzentrum direkt an einem Wohngebiet vorbei. In Haßloch regt sich Widerstand gegen das Vorhaben. Doch geht er davon aus, dass auch ein Verkehrsgutachten Hillwood nicht bremsen werde. "Bei ungünstigem Ausgang werden die den Klageweg beschreiten."

Dies wiederum dürfte in Gaggenau für Stirnrunzeln sorgen. Denn eine juristische Auseinandersetzung würde hier ein für dringend notwendig erachtetes Vorhaben auf Jahre blockieren: den Bau eines vierarmigen Kreisverkehrs unmittelbar an der Hillwood-Einfahrt. Anders als vierarmig ließe sich das Verkehrsaufkommen nicht bewältigen, lautet der Tenor in der Gaggenauer Kommunalpolitik. Diese beruft sich auf ein Verkehrsgutachten.

BT22112018 02Daran werde man auch festhalten, bekräftigt CDU-Fraktionschef Andreas Paul: "Bei dem enormen Ausmaß der Hallen und dem zu erwartenden Schwerlastverkehr werden wir unter allen Umständen auf den vierarmigen Kreisel bestehen. Auch wenn Hillwood offensichtlich versucht, mit dem Bau der Böschung vollendete Tatsachen zu schaffen." Paul hebt damit auf Maßnahmen ab, die Hillwood in diesem Jahr begonnen und weitgehend realisiert hat.

Nachdem klar war, dass die Stadt einen vierarmigen Kreisel bauen will, habe Hillwood mit Arbeiten direkt an der Straße begonnen, berichtete Ferdinand Hurrle. Der Gaggenauer Ex-FWG-Fraktionschef erläuterte ebenfalls die Situation bei der Gesprächsrunde. "Aufschüttung, Parkplatzbau, Zaun errichtet, elektrisches Tor, dies in dem Wissen, dass das meiste wieder weg muss, wenn der vierarmige Kreisel gebaut werden wird. Aufschüttung gemacht, drunter liegendes Rückhaltebecken kaputt", schilderte Hurrle als Anlieger - sein Unternehmen grenzt unmittelbar an Hillwood an.

Kreisel in der Warteschleife

Er ist sich ebenfalls sicher: Wenn das Logistikzentrum unter Volllast läuft, wird es im näheren und weiteren Umfeld erhebliche Probleme geben. Denn Lkw-Fahrer müssen ihre Ruhezeiten einhalten, aber es gebe viel zu wenige Stellplätze. Auch die Belastung mit fließendem Verkehr werde steigen und auf Jahre hinweg auf hohem Niveau bleiben. "Bis der Bau des Kreisels juristisch durchgesetzt sein wird, werden mindestens zwei Jahre ins Land gehen, dann kommt noch die Bauzeit hinzu", vermutet Hurrle.

Schließlich müssten Hillwood-Flächen von der Stadt enteignet werden, um den Kreisel zu bauen. Zunächst ein Bebauungsplanverfahren, dann ein Umlegungsverfahren, so lautet der städtische Plan.

Der Verkehr über die Schlotteräxtbrücke in die Hauptstraße werde ebenfalls zunehmen. Nicht zuletzt verzeichne das Hurrle-Gelände selbst mit Recycling-Hof, Kfz-Werkstatt und TÜV-Stelle täglich circa 100 Lkw-Bewegungen plus Pkw.

Hillwood seinerseits verweist wegen des Kreisverkehrs auf bestehende Verträge - und diese beruhen auf einem damals noch verbindlichen Verkehrsgutachten. Dieses hatte postuliert, dass ein dreiarmiger Kreisverkehr ausreichend sei. "Wir sehen nicht die Notwendigkeit für vier Arme", betont deshalb Peter Schuijlenburg. Folglich könne dafür nicht nur sein Unternehmen zur Kasse gebeten werden. Falls ein Verkehrsplan verbindlich einen vierarmigen Kreisel vorschreibe, werde Hillwood dies eingehend prüfen. Falls das Unternehmen Flächen hergeben und auch bezahlen solle, "dann muss dies für alle Anlieger gelten". Sprich: Auch die Firma Hurrle solle beispielsweise zur Kasse gebeten werden.

Den Sachverhalten, mit denen die Gaggenauer befasst sind, würden die Christdemokraten aus Haßloch gerne aus dem Wege gehen. Die Gaggenauer CDU-Stadtverbandsvorsitzende Sabine Arnold meint deshalb: "Ich wünsche den Kollegen aus Haßloch viel Erfolg bei ihren Bemühungen."

Stichwort

Hillwood-Areal: Laut Standortbeschreibung verfügt das Hillwood-Areal in Ottenau über 38 Stellplätze für Lkw und 183 für Pkw. Die verfügbaren Mietflächen belaufen sich auf gut 51000 Quadratmeter, davon 31000 und 14400 Quadratmeter Hallenfläche. Hinzu kommen Büroflächen. (tom)

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Handwerker wollen nicht mieten

Gaggenau (tom) - Nur zwei große Logistiker in den Hillwood-Hallen - Stadtverwaltung und Gemeinderat hatten sich das anders vorgestellt. Als 2016 das Hillwood-Vorhaben bekannt wurde, war Tenor im Gemeinderat: Die erste Halle solle für Logistik bereitstehen, die zweite für heimische Gewerbebetriebe und Handwerker. Konkrete Vorgaben für den Investor gab es allerdings keine. Nachdem Kritik laut wurde, hat das Rathaus nach eigenem Bekunden "vielfach" versucht, Handwerker zu vermitteln. Aber: "Die Vermietung scheiterte vor allem daran, dass die Handwerksbetriebe eigene Räumlichkeiten bevorzugen und nicht in Mietobjekten arbeiten möchten."

Badisches Tagblatt