Rosalinde Balzer verlässt den Ratstisch

BNN 12.02.2021

Die ehemalige Ortsvorsteherin von Oberweier scheidet aus dem Ortschaftsrat aus

Von BNN Mitarbeiter
Joachim Kocher

BNN12022021 
Stühlerücken: Rosalinde Balzer wurde nach fast 27-jähriger Tätigkeit im Ortschaftsrat Oberweier durch Ortsvorsteher Michael Barth verabschiedet. Als neues Ratsmitglied wurde Bernhard Weyand verpflichtet.Foto: Joachim Kocher

Gaggenau-Oberweier. Die Ära Rosalinde Balzer im Ortschaftsrat Oberweier ist zu Ende. Am vergangenen Mittwoch nahm die 70-Jährige offiziell letztmals als gewählte stimmberechtigte Ortschaftsrätin an einer Sitzung teil und wurde durch Ortsvorsteher Michael Barth im Beisein von Oberbürgermeister Christof Florus verabschiedet. Die Jubilarin, die dem Ortschaftsrat Oberweier seit 1994 bis zum heutigen Tag für die CDU angehört, war zwischen den Jahren 1999 und 2019 Ortsvorsteherin des Keschtedorfs.

"Es war eine schöne, wenn auch oft anstrengende Zeit."

Rosalinde Balzer
ausgeschiedene Ortschaftsrätin

Für Rosalinde Balzer rückt Bernhard Weyand in den Ortschaftsrat nach, der bereits in der letzten Legislaturperiode dem Ortschaftsrat Oberweier angehörte und am Mittwoch durch den Ortsvorsteher verpflichtet wurde.

Michael Barth würdigte während der Ortschaftsratssitzung ausführlich die Verdienste von Rosalinde Balzer und dankte ihr im Namen des gesamten Gremiums für ihre fast 27-jährige Tätigkeit. Der Ortsvorsteher ging auf einige Projekte ein, an denen sie maßgeblich beteiligt war. So sprach er unter anderem die Realisierung der Festplatzüberdachung sowie die Umsetzung des ersehnten Baugebietes „Pfarrgarten“ an, dass 2004 mit dem 1. Spatenstich begonnen wurde. „Ihr Ziel war immer, etwas für den Stadtteil Oberweier zu erreichen, und dies hat sie mit eisernem Willen verfolgt“.

Ortschaftsrat Jürgen Alandt dankte Rosalinde Balzer im Namen der CDU-Fraktion. „Unseren jüngeren Fraktionskollegen war Rosalinde Balzer immer ein guter Ratgeber und Vorbild.“ Mario Würtz dankte Balzer im Namen der FWG-Fraktion. „Wir haben viel gemeinsam auf den Weg gebracht“. Oberbürgermeister Christof Florus sprach von einer hervorragenden Arbeit, die von der scheidenden Ortschaftsrätin geleistet worden sei.

„Mit Dank und Demut blicke ich auf mehr als 26 Jahre als Ortschaftsrätin zurück“, sagte Balzer. „Es war eine schöne, wenn auch oft anstrengende Zeit, besonders dann, wenn es um die Umsetzung von Projekten, wie beispielsweise das lang ersehnte Baugebiet „Pfarrgarten“ ging, dass ich begleiten durfte.“ Das Baugebiet, so Balzer, heißt richtigerweise: „Ortskern, Pfarrgarten, Festplatz“, was aktuell noch fehle, sei der Ortskern, sprich ein Dorfplatz. „Diesen darf ich nun dem jetzigen Ortschaftsrat zur Realisierung überlassen. Aber ich denke, es wird nun werden, wenn auch schon 17 Jahre seit dem 1. Spatenstich vergangenen sind. Das braucht eben Geduld“.

Rosalinde Balzer wird sich allerdings noch nicht komplett von der Kommunalpolitik verabschieden. So gehört sie bis zum Ende der laufenden Legislaturperiode dem Gemeinderat Gaggenau an. „Mit der ein oder anderen Anfrage werde ich künftig unseren Oberbürgermeister und Bürgermeister vielleicht etwas nerven“, betonte Balzer in ihrer Abschiedsrede.

Oberweier habe sich im Prinzip nach ihren Vorstellungen entwickelt, sagte Balzer am Mittwoch im BNN-Gespräch, wenngleich einige Dinge auf der Strecke blieben. Balzer bedauert insbesondere, dass in Oberweier kein Lebensmittelgeschäft und auch keine Gastronomie mehr vorhanden ist. „Dies ist schon enttäuschend“.

Auch in Zukunft will sich Rosalinde Balzer zu Wort melden, wenn sie dies für notwendig erachtet. Ein Thema, dass der scheidenden Ortschaftsrätin auf den Nägeln brennt, ist die geplante Erweiterung der Deponie in Oberweier durch die Abfallwirtschaft des Landkreises Rastatt. „Dies müssen wir auf jeden Fall verhindern“, betonte Balzer am vergangenen Mittwoch gegenüber den BNN. Schließlich seien 50 Jahre Deponie genug. Mit Beifall wurde Rosalinde Balzer verabschiedet.

www.bnn.de

 

Unermüdlich und beharrlich den "Gegenkräften" widerstanden

BT 28.09.2019

Nach 20 Jahren als Ortsvorsteherin von Oberweier wird Rosalinde Balzer mit vielen Dankesworten verabschiedet

Von Elke Rohwer

Gaggenau - Viele Freunde, Bekannte und Wegbegleiter waren am Donnerstag ins Pfarrgemeindehaus nach Oberweier gekommen, um bei der offiziellen Verabschiedung von Rosalinde Balzer als Ortsvorsteherin dabei zu sein. Vertreter der Oberweierer Vereinslandschaft sowie Kollegen aus der Kommunalpolitik fanden anerkennende Worte. Musikalisch umrahmt wurde der Abend von René Müller und Günter Huck sowie den Jungmusikern Florian Böck und Tilmann Knoerzer vom Musikverein Eichelberg Oberweier. Bevor die eigentliche Verabschiedung vorgenommen wurde, ehrte Oberbürgermeister Christof Florus Rosalinde Balzer für ihre 25-jährige Arbeit im Ortschaftsrat und ihre 20-jährige Amtszeit als Ortsvorsteherin von Oberweier mit einer Urkunde und der Silbermedaille der Stadt Gaggenau. Der neue Ortsvorsteher Michael Barth wurde für 20 Jahre konstruktive Arbeit als Ortschaftsrat mit der Medaille in Bronze ausgezeichnet. "Sie sind ein Mann der Tat und haben sich um viele wichtige Dinge in Oberweier verdient gemacht", sagte Florus. "Ich freue mich, dass Sie sich bereit erklären, wie schon Ihr Vater zuvor, Verantwortung als Ortsvorsteher zu übernehmen."

ov oberw 20190928Als "Mammutaufgabe, mit der sie in die Geschichte Gaggenaus eingehen wird", bezeichnete Florus Rosalinde Balzers Amtszeit. Das Stadtoberhaupt hob die Hartnäckigkeit hervor, mit der sich die scheidende Ortsvorsteherin für Oberweier und Niederweier eingesetzt hat. Als große Erfolge nannte Florus unter anderem die 900-Jahr-Feier von Oberweier 2002, die Festplatzüberdachung, die Sanierungsmaßnahmen der Eichelberghalle und der Grundschule, die Einführung der Tempo-30-Geschwindigkeitsbegrenzung in Teilen des Ortes, die Entwicklung der Mülldeponie in eine moderne Entsorgungsanlage sowie die Erschließung der Baugebiete Pfarrgarten und Im Eck.

Anerkennende Worte fand der OB für Balzers öffentliche Präsenz sowie ihre Netzwerkarbeit, wenn es um ehemalige Flüchtlinge oder Menschen mit Behinderungen geht. "Du bist für mich eine Beraterin in Sachen Inklusion und barrierefreie Zugänge, die auch mal den Finger in die Wunde legt."

Rosalinde Balzer nahm die Zuhörer anschließend mit auf eine Zeitreise durch die vergangenen Jahre ihrer Amtszeit. Neben erreichten Zielen zeigte sie sich auch kritisch und nachdenklich: "Als ich als Ortsvorsteherin gewählt wurde, haben mir, einer berufstätigen Alleinerziehenden mit einer behinderten Tochter, manche das Amt nicht zugetraut. Je länger ich im Amt war, desto mehr politische Gegenkräfte wurden aktiviert. Die letzte Legislaturperiode war wohl die anstrengendste. Dennoch blicke ich mit Dankbarkeit und Demut zurück."

Jürgen Alandt dankte Rosalinde Balzer im Namen der CDU-Fraktion von Oberweier. Dorothea Maisch überbrachte die Grüße der CDU-Gemeinderatsfraktion und lobte Balzers unermüdliche Art, für Oberweier zu kämpfen. "Du warst die erste Ortsvorsteherin in Gaggenau. Familie, Beruf und Ehrenamt - du hast uns gezeigt, dass das funktionieren kann.

Nach herzlichen Worten von René Müller, dem Vorsitzenden des Musikverein Eichelberg Oberweier, ergriff der neue Ortsvorsteher Michael Barth das Wort. "20 Jahre warst du die Chefin des Gremiums, und ich ging 20 Jahre bei dir in die Lehre. Vielleicht bereitet dir die neue Aufgabe als Ortschaftsrätin ein mulmiges Gefühl, aber ich bin sicher, das schaffst du auch!"

www.badisches-tagblatt.de

Inklusion ist mangelhaft bis ungenügend

BNN 11.09.2019

Ortsvorsteherin von Oberweier kritisiert Zustand in Gaggenau / Ihre Amtszeit endet am Montag

BNN-Interview

Gaggenau. Für die 68-jährige Rosalinde Balzer endet am Montag, 16. September, ihre 20-jährige Tätigkeit als Ortsvorsteherin von Oberweier. Am Donnerstag, 26. September, wird sie durch Oberbürgermeister Christof Florus offiziell von ihrem Amt verabschiedet. Balzer, die seit dem Jahre 1994 im Ortschaftsrat Oberweier sitzt, gehört dem Gremium sowie dem Gaggenauer Stadtrat auch in den kommenden fünf Jahren an. Über ihre 20-jährige Tätigkeit als Ortsvorsteherin sprach sie mit BNN-Mitarbeiter Joachim Kocher.

BNN11092019

Zwanzig Jahre lang hat sich Rosaline Balzer als Ortsvorsteherin von Oberweier engagiert. Nun übergibt sie das Amt in jüngere Hände. Foto: Kocher

Was war ihr größtes Erlebnis während ihrer Tätigkeit als Ortsvorsteherin?

Balzer: Die 900-Jahr-Feier von Oberweier im Jahre 2002. Die Veranstaltung war gigantisch. Zu den besonderen Erlebnissen gehören für mich aber auch der Bau der Festplatzüberdachung im Jahre 2000 und die feierliche Übergabe durch den damaligen Oberbürgermeister Michael Schulz. Für mich war der Bau der Festplatzüberdachung ein Beweis dafür, dass die Dorfgemeinschaft zusammenhält und intakt war.

Was war ihre größte Enttäuschung?

Balzer: Dass das Genossenschaftsmodell für ein Lebensmittelgeschäft nicht zustande kam, obwohl der Ortschaftsrat mehrheitlich das Leiberstunger Modell favorisiert hatte. Meine größte persönliche Enttäuschung erlebte ich vor fünf Jahren, als während meiner schweren Erkrankung die Wahl des Ortsvorstehers auf die Tagesordnung kommen sollte. Oberbürgermeister Christof Florus lehnte dies jedoch ab und so wurden die Wahlen bis ich genesen war verschoben.

Hat sich Oberweier in den vergangenen zwei Jahrzehnten nach ihren Vorstellungen entwickelt?

Balzer: Im Prinzip ja, aber dennoch sind einige Dinge auf der Strecke geblieben. So haben wir kein Lebensmittelgeschäft und auch keine Gastronomie mehr. Dies ist schon enttäuschend. Hinsichtlich der Baugebiete hat sich einiges getan, jedoch steht der Bereich „Mergelacker“ nach wir vor aus.

Wie war die Zusammenarbeit mit der Stadt?

Balzer: Die Zusammenarbeit war überwiegend gut. Manchmal war es jedoch auch anstrengend, etwas durchzusetzen. Wichtig für mich war, die Geduld nicht zu verlieren und hartnäckig zu bleiben.

Was war letztendlich der Grund dafür, dass sie nach 20 Jahren als Ortsvorsteherin aufhören?

Balzer: Ausschlaggebend sind keine gesundheitlichen Gründe. Ich bin zwar körperlich eingeschränkt, geistig aber nach meiner Meinung noch fit. Es ist schon recht seltsam in unserer Gesellschaft, dass man bei Personen, die nicht gerade laufen können, sofort andere Behinderungen assoziiert und mit mitleidigen Äußerungen die Betroffenen nervt. Ich höre jetzt als Ortsvorsteherin auf, da es nach meiner Meinung Zeit ist, das Amt in jüngere Hände abzugeben.

Würden sie nochmals über einen solch langen Zeitraum, das Amt der Ortsvorsteherin ausüben?

Balzer: Hier kann ich mit einem deutlichen Ja antworten. Das eine oder andere Thema würde ich vielleicht anders angehen. Für mich war es jedoch eine interessante und spannende Zeit.

Apropos Inklusion, was für eine Note geben sie der Stadt in diesem Bereich?

Balzer: Mangelhaft bis ungenügend!

Was sind die Gründe für diese schlechte Bewertung?

Balzer: Ich erinnere nur an die Behindertenparkplätze in der Hauptstraße, Ecke Bahnhofstraße. Eigentlich ist es ein Wunder, dass hier noch nichts passiert ist. Betroffene stehen hier beim Aussteigen direkt auf der Straße. Außerdem können die Behindertenparkplätze in der Tiefgarage nur genutzt werden, wenn das City-Kaufhaus geöffnet hat, denn der notwendige Fahrstuhl endet dort. Auch in den Ortsteilen muss sich die Stadt des Themas Inklusion annehmen. Inklusion bedeutet nicht nur, dass ein Kind im Kindergarten oder der Schule aufgenommen und unterrichtet wird. Inklusion bedeutet mehr.

Ist das Thema Inklusion für viele nur ein Lippenbekenntnis?

Balzer: Dies könnte man fast meinen, wenn man sich an die Diskussion im Gemeinderat um die zweite Rampe im Bereich Jahnhallen-Foyer erinnert. „Wir sind entsetzt, wie weit man in Gaggenau vom Inklusionsthema entfernt ist“, habe ich hierzu von einigen Bürgern zu hören bekommen.

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